Norwegischer Ölfond reduziert Investitionen
Die FAZ meldet am 5.5.2012, dass der norwegische Ölfonds „Statens pensjonsfond – utland“ sein Engagement in Europa allmählich reduziert und zukünftig in Staatsanleihen der BRIC-Staaten Brasilien, Mexiko und Indien investieren will. Der europäische Anteil am Anleihevermögen sinkt damit von 46 Prozent in 2010 auf 39 Prozent. Für die Anlagen in Aktien ist eine ähnliche Entwicklung angedacht. Allerdings soll eine endgültige Entscheidung erst noch getroffen werden. Der Staatsfonds ist immer auf der Suche nach risikolosen Anlagen. Europa wird zur Zeit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise als ein Risiko eingeschätzt.
Der Fonds verwaltet Einkünfte aus den Öl- und Gasvorkommen Norwegens. In seinem Quartalsbericht wird berichtet, dass die Investitionen in ausländische Aktien und Anleihen um 7,1 Prozent im Wert gestiegen sind. Dies geht im wesentlichen auf die positive Entwicklung am internationalen Aktienmarkt zurück. Hier betrug der Wertzuwachs 11 Prozent. Bei Anleihen wurden 1,6 Prozent Rendite erzielt.
Der Ölfonds ist unter den Staatsfonds, die mittlerweile von mehreren Ländern unterhalten werden, einer mit Vorbildcharakter. Er will zum Beispiel nicht länger in Unternehmen investieren, die Waffen herstellen oder die tolerieren, dass Kinder beschäftigt werden. Ethische Überlegungen haben für den Fonds einen hohen Einfluss auf die Investitionsentscheidungen. Auch die Investmentstrategie findet allgemein Beachtung. Die größte Einzelinvestition waren Schuldverschreibungen der USA in einer Höhe von 36 Milliarden Euro.
Die Entscheidung des Ölfonds, sich allmählich aus Europa zurück zu ziehen, zeigt deutlich, mit welchen Problemen Europa zur Zeit und auch in Zukunft in der Außenwahrnehmung konfrontiert wird. In den USA gilt Europa ohnehin seit einiger Zeit als ein erhöhtes Risiko, dass man für Investitionen meiden sollte. Besonders bedenklich ist, dass der norwegische Staatsfonds in der Vergangenheit immer wieder beweisen konnte, dass seine Anlageentscheidungen umsichtig und besonders vorsichtig getroffen wurden. Das Ergebnis des letzten Quartals zeigt dies auch überdeutlich. Angesichts der aktuellen Diskussion über Schuldenabbau und die im Raum stehende Weigerung der Griechen, die Schulden zu bedienen, könnte der Fonds die Richtung für andere – auch europäische – Investoren weisen und die künftige Refinanzierung im Euroraum erheblich erschweren.


